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Häuser für Waisenkinder e.V.

Konzept über die Ziele und Arbeitsweise des Vereins

1. Ausgangssituation

Afrika ist der Kontinent, der weltweit am stärksten von HIV infizierten Menschen betroffen ist. Die „inoffizielle“ HIV-Rate beträgt mehr als 30 Prozent.
Eltern sterben in großer Anzahl oft sehr jung. Das soziale Netz ist nur noch eingeschränkt vorhanden und versagt zunehmend.

Manche Kinder werden von Verwandten aufgenommen, aber viele sind auf Grund der hohen Sterberate ohne jegliche Familie und ganz auf sich alleine gestellt. Diese Kinder können nicht in einem familiären Kontext aufwachsen und haben keine Chance auf eine Ausbildung und damit keine Chance auf einen qualifizierten Beruf. Ein Leben in Armut und Unterentwicklung oder Kriminalität ist damit vorprogrammiert.

2. Projektziel

Der Verein baut Wohnhäuser für Waisenkinder und betreibt diese nachhaltig. Konstruiert werden diese Häuser in einer speziellen Lehmbautechnik. So werden Baukosten reduziert und Arbeitsplätze während der Bauzeit und im späteren Betrieb geschaffen. Parallel dazu wird die Ausbildung zu einem neuen Beruf, dem Lehmbautechniker, angeboten. Um Frauen zu fördern, enthält das Projekt Frauenförderungs- und Gleichstellungskomponenten.

3. Projektansatz

Das Projekt schafft durch den Bau und den Betrieb von Wohnhäusern zunächst ein solides und nachhaltiges Zuhause für die Kinder, die ohne Familie sind. Hier können sie behütet aufwachsen. So wird die Grundlage geschaffen, zunächst eine Schulausbildung und später eine Berufsausbildung erlangen zu können. In dieser familienähnlichen Struktur erfahren sie Sicherheit und Geborgenheit, Grundlagen für eine nachhaltige Zukunft.

4. Projektdurchführung

Die Gebäude werden in einer speziellen Lehmbautechnik erstellt. Lehmbau an sich ist zwar in fast allen afrikanischen Ländern vorhanden, allerdings ist er in manchen Ländern nicht sehr weit entwickelt. So sind die Lehmbauten in Kenia beispielsweise nicht sehr haltbar. In Westafrika dagegen werden Lehmbauten traditionell sehr hochwertig ausgeführt. Dass diese Gebäude sehr langlebig sind, dokumentieren viele Wohngebäude und historische Bauten.

In der angewandten Lehmbautechnik wird die Haltbarkeit durch eine besondere Art der Aufbereitung, sowie durch die angepasste Konstruktionsweise erreicht. Traditionelle Lehmbautechniken werden modifiziert und nach Ostafrika transferiert. Hier findet ein innerafrikanischer Technologietransfer, bzw. Wissensaustausch statt.
Durch die Verwendung von Lehm als Baustoff hat das Projekt ökologische, ökonomische und soziale Aspekte, die im Folgenden detailliert werden:

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4.1 Neubau der Wohngebäude

Ökologischer Aspekt

Die Gebäude werden in einer dauerhaften Lehmbautechnik, erstellt. Der Lehm wird aufbereitet und direkt verarbeitet. Das Brennen  von Lehm zu Ziegelsteinen entfällt. Dadurch werden Holzressourcen geschont. Luftverschmutzung und der Verbrauch von Feuerholz werden verhindert. Ebenso wird der Einsatz von Zement deutlich reduziert, da Zementmörtel und Zementputz nicht benötigt werden. Der Primär- Energieeinsatz wird durch die Verwendung von Lehm drastisch vermindert.
Die besonderen Eigenschaften des Lehms erzeugen ein sehr gutes Raumklima. Ungebrannter Lehm wirkt temperaturausgleichend und feuchtigkeitsregulierend. Die Wohnqualität ist deutlich besser als in konventionell gemauerten Gebäuden. Energetisch werden die Gebäude über Fotovoltaikanlagen mit Strom versorgt.

Ökonomischer Aspekt

Zum Hausbau geeigneter Lehm, ist in Afrika nahezu überall vorhanden. Meistens kann er leicht gewonnen werden. Die Transportwege sind kurz und die Arbeiten können von der Bevölkerung durchführt werden. Unter Anleitung können viele Tätigkeiten auch von ungelernten Menschen ausgeführt werden. Durch die Verwen-dung von lokal vorhandenen Materialien wird eine deutliche Baukostenreduzierung erreicht. Auf teuren Zement für Beton, Mörtel und Wandputz wird weitestgehend ver-zichtet. Ein Sack Zement ist im Projektort Siaya, Kenia rund doppelt so teuer wie in Deutschland.

Sozialer/ gesellschaftspolitischer Aspekt

Bei der Verwendung von Lehm werden mehr Arbeitskräfte als bei konventionellen Bauten benötigt, da der Lehm vor der Verarbeitung zunächst abgebaut, transportiert und aufbereitet werden muss. So werden während der Bauzeit Arbeitsplätze geschaffen. Da viele Arbeiten auch von nicht ausgebildeten Menschen ausgeführt werden können, erhalten auch diese eine Chance auf Arbeit.  Bei der Ausführung werden Frauen im Rahmen eines Frauenprojektes besonders gefördert. Begleitend zu der Bauausführung wird eine Berufsausbildung, die Ausbildung zum „Lehmbautechniker“ angeboten. Dieser Lehrberuf wird von uns neu geschaffen. Durch seine Einführung soll eine Renaissance des Lehmbaus initiiert werden. So erhält auch die ärmere Bevölkerung die Möglichkeit, preiswerte, dauerhafte und nachhaltige Wohngebäude zu bauen.

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4.2 Betrieb der Wohngebäude

Die geschaffenen Waisenhäuser werden langfristig und nachhaltig von uns betrieben. Vor Ort kommt vorrangig einheimisches Personal zum Einsatz. Kindern ohne Familien wird eine solide Basis geschaffen. Hier wachsen sie in einer familienähnlichen Struktur auf und erhalten eine Schulausbildung.

Dieses sind Grundlagen für eine nachhaltige Zukunft.

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4.3 Frauenförderung

Unseres Erachtens ist eine nachhaltige Entwicklung in einem modernen Afrika ohne Gleichstellung der Geschlechter nicht möglich. Erfahrungsgemäß ist das Engagement von Frauen sowie die Identifizierung mit dem Projekt höher als bei Männern. Frauenprojekte, bzw. Projekte mit einem hohen Frauenanteil wurden bisher deutlich erfolgreicher durchgeführt. Bei dem aktuellen Projekt beträgt der Frauenanteil mindestens 60 %.

Die beteiligten Frauen werden bereits bei der Planung der Gebäude einbezogen, um sicher zu stellen, dass das geplante Wohn-/ Raumkonzept den Anforderungen der späteren Nutzung entspricht. Bei der Bauausführung werden die Frauen einbezogen, die später die Einrichtung nutzen sollen. Durch die Involvierung der später beteiligten Frauen wird eine hohe Identifizierung mit dem Projekt erreicht, eine wichtige Vorraussetzung für einen nachhaltig erfolgreichen Betrieb.

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4.4 Berufsausbildung

Wir bieten jungen Menschen die Berufsausbildung zum neu geschaffenen Beruf, dem „Lehmbautechniker“ an. Durch diesen erhalten sie die Möglichkeit, sich eine Existenzgrundlage aufzubauen. So wird ein Beitrag geleistet, auf dem sehr angespannten Arbeitsmarkt, mit offiziell 50% Arbeitslosen, neue Arbeitsmöglichkeiten zu schaffen.

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5. Zusammenfassung

Auf Grund der hohen Zahl von HIV- Betroffenen wurde ein vielschichtiges Projekt mit großer Nachhaltigkeit konzipiert.

Das Konzept „Neubau eines Wohngebäudes für Waisenkinder“ in preiswerter und nachhaltiger Lehmbauweise, Schaffung von Arbeitsplätzen, Involvierung speziell von Frauen, wird durch die Berufsausbildung zum Lehmbautechniker, sowie dem Betrieb der Einrichtung mit einheimischen Personal abgerundet.

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